Zwölftklässler schlüpfen in die Rolle von Abgeordneten

Am Mittwoch, den 4. März 2026, verwandelten sich vier Klassenzimmer des Schiller-Gymnasiums Hof in Sitzungsräume des Europäischen Parlaments. 77 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 nahmen im Fach Politik und Gesellschaft an einem digitalen Planspiel zur Gesetzgebung der Europäischen Union teil und schlüpften dabei selbst in die Rolle von Abgeordneten.

Im Zentrum des Spiels stand ein Gesetzesvorschlag zur Kennzeichnung des CO₂-Fußabdrucks von Lebensmitteln. Die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler bestand darin, über den Vorschlag zu beraten, Änderungsanträge zu diskutieren und schließlich über den finalen Gesetzestext abzustimmen. Dabei mussten sie sich nicht nur mit Positionen innerhalb des Parlaments auseinandersetzen, sondern auch über Änderungsanträge des Rates der Europäischen Union beraten, der den Vorschlag mit eigenen Anpassungen an das Parlament zurückspielte. Wie im echten parlamentarischen Alltag mussten dabei unterschiedliche politische Positionen, nationale Interessen und strategische Überlegungen miteinander in Einklang gebracht werden.

Die Teilnehmenden waren dabei vier fiktiven politischen Fraktionen zugeordnet – der Europäischen Solidaritätsfraktion, der Europäischen Umweltfraktion, der Europäischen Freiheitsfraktion und der Europäischen Traditionsfraktion – und vertraten die entsprechenden politischen Positionen. Schnell entwickelte sich eine lebhafte Debattenatmosphäre: Unter Zeitdruck berieten die Fraktionen intern über ihre Strategie, Abgeordnete meldeten sich zu Wort, um ihre Position zu verteidigen, und im Plenum wurde um Mehrheiten gerungen. Dabei zeigte sich, dass politische Entscheidungsprozesse selten geradlinig verlaufen – Kompromisse gehören zum parlamentarischen Alltag. Zwischen Fraktionsarbeit, Ausschusssitzungen und Plenardebatten wechselten die Schülerinnen und Schüler zudem mehrfach die Räume – eine organisatorische Dynamik, die an den Arbeitsrhythmus des Europäischen Parlaments erinnert, dessen Ausschüsse überwiegend in Brüssel tagen, während die großen Plenarsitzungen in Straßburg stattfinden.

Besonders viel Zustimmung erhielten die Änderungsanträge, die wirtschaftliche und soziale Aspekte stärker berücksichtigten. So sprachen sich viele Abgeordnete dafür aus, Familienbetriebe bei der Umstellung finanziell zu unterstützen und größeren Unternehmen kürzere, kleineren Landwirtschaftsbetrieben dagegen längere Übergangsfristen einzuräumen. Ebenfalls auf breite Zustimmung stieß der Vorschlag, die Kennzeichnung nicht verpflichtend, sondern freiwillig zu gestalten.

Am Ende zeigte sich auch im Planspiel, wie entscheidend Fraktionsarbeit und strategische Abstimmungen für politische Ergebnisse sind. Besonders erfolgreich war die Fraktion „Tradition“, deren Positionen sich in mehreren zentralen Punkten durchsetzen konnten.

Das Planspiel bot den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, europäische Politik nicht nur theoretisch zu besprechen, sondern aktiv zu erleben. Argumentieren, Kompromisse aushandeln, Mehrheiten organisieren – all das gehört zur parlamentarischen Arbeit dazu und wurde in der Simulation unmittelbar erfahrbar. „Es hat richtig Spaß gemacht, sich argumentativ mit den anderen Fraktionen zu duellieren, auch wenn der Zeitdruck immens war“, resümierte ein Schüler in der Feedbackrunde treffend.

Andrea Bischoff, Gisela Becker, Gertraud Pichlmeier und Ralf Hildenbrand

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