Schiller-Sommerkonzert mit Liedern für und von Legenden

50 Jahre ist es her, dass John Miles mit „Music“ einen Meilenstein der Musikgeschichte geschaffen hat…oder wie man es am Schiller-Gymnasium nennt: Sommerkonzert.

Adrian Stieglitz, Benjamin Sebald, Martin Röder, Slawek Dudar, Ji Eun Kim und Elisabeth Nußrainer, die dividiert gebündelte Kraft an musikalischem Schaffen. Stellt man sich im Vorfeld die Frage, ob das Niveau der Vorjahre erreicht wird, es erneut ein musikalisches Feuerwerk geben wird oder nur die Außentemperaturen an selbiges erinnern – kleiner Spoiler: Unsere Schülerinnen und Schüler sind mit ihren Musik- und Instrumentallehrkräften wieder die extra Miles gegangen.

Vor dem ersten musikalischen Eindruck, beeindrucken rund 150 Schülerinnen und Schüler mit einem akkurat durchgeprobten Aufmarsch auf die Bühne. Erster non-musikalischer Glanzpunkt, der von den gut 2000 Zuschauerinnen und Zuschauern in der fast vollbesetzten Großen Freiheitshalle mit viel Beifall honoriert wird.

Musikalisch startet das Sommerkonzert mit dem „Frühling“. Antonio Vivaldis Teilstück aus „Die Vier Jahreszeiten“ wird hierbei aber nicht von den Hofer Symphonikern dargeboten, sondern von deren Kooperationspartner: Der Bläserklasse 5b des Schiller-Gymnasiums. Tonsicher und mit Ausdruck eröffnen sie den Reigen an musikalischen Hochgenüssen.

Frau Dr. Anke Emminger, die Schulleiterin des Schiller-Gymnasiums unterstreicht in ihrer Begrüßung die Aussage einiger Schülerinnen und Schüler, dass „dieser Tag der schönste im ganzen Schuljahr ist“. Ja, es ist ein Glanzpunkt, von Schülerinnen und Schülern, den Lehrkräften, den Eltern und Freundinnen und Freunden der Schulfamilie des Schiller-Gymnasiums. Ein Abend für alle, ein Abend voller Freude, ein Abend voller Musik. Die Liste der Ehrengäste ist auch in diesem Jahr wieder lang und zeigt, welchen Stellenwert dieses Konzert in Stadt und Landkreis Hof genießt. Einige Gäste sollen sogar (fast) ausschließlich für dieses Konzert aus China angereist sein. Herausgehoben werden auch die großzügigen Unterstützerfamilien des Abends, ohne die vieles an Musik und Ton nicht umzusetzen wäre. Ein besonderer Dank geht in diesem Jahr an die Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrgangs 2026. Mit ihnen verliert das Schiller-Gymnasium viele exzellente Musikerinnen und Musiker, doch heute sind sie hier, sind dabei, sind nach wie vor ein Teil der Schulfamilie.

Dann geht es musikalisch weiter. Ji Eun Kim betritt erneut das Podest der Dirigentin und es klappert aus den Händen von Benjamin Sebald an den Percussions. Die „Rattlesnake“ von Paul Lavender erklingt und es beeindruck erneut, dass die Schülerinnen und Schüler der 5b ihr Instrument seit nun gerade einmal zehn Monaten spielen. Erste Jubelstürme branden auf.

Die Schülerinnen und Schüler in schwarz und weiß verlassen den vorderen Orchesterteil der Bühne und es erheben sich die Kinder, die, ganz in schwarz gekleidet, auf dem hinteren Teil der Bühne verharrt haben: Der Chor der 5. und 6. Jahrgangsstufe. Nach Martin Röders Intro am Klavier, heißt es „See you again“. Adrian Stieglitz dirigiert auch im Anschluss die Hymne aus erfolgreichen Fußball-Zeiten: „Aus uns“, von Andreas Bourani, begleitet von Moritz Dittmar und Benedikt Keidel (beide 6a) am Canjon. Doch unser Chor versenkt den musikalischen Elfmeter sicher und überzeugend. Das Publikum jubelt! Mit Stieglitz und Röder gibt es keine Trainerdiskussionen!

Muna Khafaja und Russia Barjas betreten die Bühne. Sie sind bereits als festes Moderatorinnen-Duo etabliert und informieren in den Umbaupausen mit interessanten und kurzweiligen Fakten über Stücke und Mitwirkende. Mal poetisch, mal amüsant, aber immer souverän und sympathisch.

Gestern gewinnt sie noch die Sprintdistanz beim Hofer Triathlon und heute schreibt sie am Klavier eine „Widmung“. Schumann von Schörner. Dana Schörner (11c) untermalt beeindruckend ihre Stellung als musikalisches Ausnahmetalent am Flügel und brilliert förmlich mit dem von Franz Liszt arrangierten Stück. Man spürt als Publikum förmlich die intonierte Poesie, welche die Schülerin von Yasuko Sugimoto-Shestiperov in der Halle versprüht.

Jahr 2 ist es für die Bläserklasse 6b, die nun auf der Bühne Platz nimmt. Mit „Soul Bossa Nova“, „Thriller“ und „Funkytown“ verspricht das Ensemble, geleitet von Elisabeth Nußrainer (auch gestern aktiv und weit vorne beim Triathlon) und Slawek Dudar Schwung, Rhythmus und heiße Rhythmen. Man hört sofort den musikalischen Quantensprung, den die Schülerinnen und Schüler in dem extra Jahr gemacht haben.

Und Schwung ist auch bei den Programmheften angesagt, das beliebteste Accessoire des Abends zur Zufuhr von Luft in der heißen Halle. Doch die Lieder werden noch heißer und bekannter – obwohl Michael Jackson in diesem Jahr schon sehr früh auf dem Programm stand – denn der Chor der 7. und 8. Jahrgangsstufe erhebt sich und lässt das Publikum schmachten mit „Only You“, bevor dann der Beweis angetreten wird, dass die Freiheitshalle weit entfernt davon ist, heute Abend ein „boring room“ (Danke, Muna!) zu sein: „Lemon Tree“! Der größte Hit der Band „Fools Garden“ aus Pforzheim, die sogar einen Bezug zur Region haben, konnten sie doch vor einigen Jahren nach einem Konzert ein gemeinsames Mittagessen mit Herrn Leuchsenring in Oberkotzau genießen. Das Publikum feiert die Sängerinnen und Sänger, die sich passende Unterstützung von Laura Pfeffer (9a), Krystian Klis (10b), Hannes Weber (10b) (Tuben), Tim Coppes (8a) (Schlagzeug) und Adrian Stieglitz (Klavier) geholt haben. Martin Röder überzeugt am Dirigat.

Amélie Jahn hat gerade ein hervorragendes Abitur abgelegt, also ganz und gar nicht gaga. Doch jetzt wird sie zur Lady: Mit „Shallow“ singt sie den Titelsong des Blockbusters „A Star is born“, getragen von Paul Wagner (11c) an der Oboe und Adrian Stieglitz am Klavier.

Die Bühne füllt sich. Das erste große Orchester betritt die Bühne, nämlich das Jugendblasorchester Hof in Zusammenarbeit mit den Hofer Symphonikern, deren Intendantin, Cora Bethke, sowie der kaufmännische Leiter, Oliver Geipel, heute natürlich auch wieder Teil der Ehrengäste der 1. Reihe sind. Und Benjamin Sebald betritt das Dirigentenpult. Ein Bach wäre jetzt nicht schlecht, könnte er doch für etwas Abkühlung in der Halle sorgen. Und er kommt. Mit „Toccata in D-Minor“, ein rockiges Arrangement des Bach-Klassikers, sorgt das Ensemble jedoch nicht für Abkühlung, sondern für noch mehr heiße Rhythmen. Schwungvoll schnell und präzise glänzen hierbei Julian Tanner (5b) an der Marimba und Tim Koppes (8a) an Schlagzeug.  Und es geht noch heißer: In den Geburtsort der heißen Rhythmen entführt uns das Orchester mit „Oye Como Ya“, von Tito Puente. Hier wir kein Santana an der Gitarre benötigt, wenn man Hörner, Trompeten, Posaunen, Klarinetten, Oboen, Querflöten, Tuben, Saxofone und Schlagwerk hat – und schwarze Sonnenbrillen.

Talking about „Good vibrations“! Nach dem rhythmischen Feuerwerk des JSBO heißt es jetzt Chor! Der Chor der Jahrgangsstufen 9 bis 13 betritt die Bühne. Und nach den Beach Boys geht es rockig weiter: „Stairway to heaven“ von Led Zepplin. Anna „Plant“ Saalfrank brilliert als Solistin, untermalt vom Kammerensemble und der Schulband. Was für eine Leistung. Was für eine musikalische Traumhomogenität. Martin Röders Mut, sich an solch ein Monumentalwerk zu wagen, wird vollends belohnt. Das Zwischenapplausometer zeigt einen neuen Rekordwert! „Bittersweet Symphony“ von „The Verve“ heißt es im Anschluss im Programm. Und wer das Stück kennt, der hört es hier. Das hört man im Radio, oder Spotify, oder Amazon Music, oder Snapchat. Die Originalkomposition ist hier von den beiden Legenden Mick Jagger und Keith Richards. Bei den Interpreten steht im Programm „und Gäste“. Es sind aber nicht die Rolling Stones, besser, es ist die letztjährige Abiturientin Hannah Lutsch-Kelemen. Sie kehrt zurück, um ihre beiden Schwestern, Mia und Saphira, zusammen mit Anna Saalfrank im Gesang zu unterstützen. Der „Schiller-Viergsang“ wird auch hier von Kammermusikensemble und Schulband als instrumentelles Fundament unterstützt. Die Halle tobt.

Wir beschließen die Top 10, also die ersten 10 Punkte des Programms, mit dem Schulorchester. Und hier spricht die Musik für sich. Nichts scheint für diese jungen Musikerinnen und Musiker unmöglich. Auch nicht das „Mission: Impossible Theme“ von Lalo Schifrin. Man möchte aufspringen und sich an die Seite eines startenden Airbus A300M hängen, mit einem Motorrad samt Fallschirm über eine Klippe springen oder mit Saugnäpfen das Theater Hof hochklettern. Alles scheint möglich bei dieser musikalischen Perfektion. Größer könnte der musikalische Kontrast auf dem Programm nicht erscheinen. Der „Säbeltanz“ aus dem Ballett „Gayaneh“, von Aram Khachaturian, wir schwungvoll und präzise in symphonischer Qualität präsentiert. Die rund 60 Musikerinnen und Musiker beeindrucken erneut mit einer musikalischen Klasse, bei der man immer wieder auf eine Sache verweisen muss: Es handelt sich um Schülerinnen und Schüler. Stieglitz und Röder – das musikalische Traum-Duo mit den musikalischen Prägungen der Metropolen Krötenbruck und Pilgramsreuth, zaubern Weltmusik auf eine Schulbühne, animieren Schülerinnen und Schüler Jahr für Jahr für Jahr zu neuen Höchstleistungen und immer wenn man abiturbedingt tragende Säulen verliert, schaffen es die musikalischen Baumeister, die Lücken Jahr für Jahr zu schließen.

„SGHarmony“ besingt im Anschluss das „All of me“, von John Legend. Die musikalische Ruhe gibt Zeit für Gedanken und lässt den Raum kühlen, bevor der nächste Titel dann, getarnt durch die Komponisten Bricusse und Newley im Programmheft erscheint. „Feeling good“ ist aber tatsächlich das noch fehlende Stieglitz-„M“ des Abends. „Michael Jackson“ war bereits und jetzt heißt es „Michael Bublé“. Auch der kanadische Superstar hat den Welthit bereits vertont. Heute gibt es ihn in Hof.

Wenn es wieder heißt „Rund 400 Mitwirkende“, dann stellt dieses Orchester allein schon fast 100 Schülerinnen und Schüler.  Das Symphonische Blasorchester Hof in Zusammenarbeit mit den Hofer Symphonikern spielt „On Fire“ und Voice of the Vikings“, beides aus der Feder von Michael Geisler. Eine Symphonische Dichtung für Blasorchester. Es erzählt Laura Pfeffer (9a), die die Geschichte der Wikinger beschreibt. Benjamin Sebald greift bei diesen Liedern zunächst bewusst nicht in die Gassenhauer-Kiste, sondern lässt die Klasse seiner Musikerinnen und Musiker sprechen, denn die Stücke sind klassische Stücke für Blasorchester. Und das sitzt hier vor einem. Meister Joda, der Sensei der orchestralen Blasmusikkunst, Benjamin Sebald, er dirigiert kraftvoll seine „Endstufe“. Die Schülerinnen und Schüler, die auf dem Gipfel der musikalischen Kunst angekommen sind. Schülerinnen und Schüler, die „Trompete spielen“ als ihr Hobby, ihre Leidenschaft bezeichnen, Schülerinnen und Schüler, die gelernt haben, dass der Einsatz und die Mühe der Einzelnen in der musikalischen Gemeinschaft etwas Monumentales erreichen können.

Und dann kommt ein Rückblick in die Kindheit. Mit dem Medley „Hurra Hurra“ erklingen zahlreiche Erinnerungen von Kassetten, Fernsehern und CD-Playern vergangener Kindertage. Von „Heidi“, über „Die Schlümpfe“ bis hin zur „Pippi Langstrumpf“: Ein würdiger musikalischer Abschluss, der mit frenetischem Applaus gefeiert wird. Applaus für dieses Orchester, Applaus für diese Musikerinnen und Musiker.

Und auch wenn in der Halle die Sonne nicht scheint, würde hier jedes Eis schmelzen. Bei „Like Ice in the Sunshine“ sind jetzt ebendiese 400 Beteiligten auf der Bühne. Musikerinnen, Musiker, Sängerinnen und Sänger – und natürlich auch die eingangs genannten Lehrkräfte, die diese musikalischen Meisterinnen und Meister, jung und jünger, geformt haben.

Die Anerkennung spricht ihnen der Elternbeirat aus. Lobende Worte und Präsente, bevor dann die Zugabe auch den letzten Zuhörer dahinschmelzen lässt. Nach weit über zwei Stunden musikalischer Sommerfrische, verlassen die Zuhörerinnen und Zuhörer die Freiheitshalle in den lauen Hof Sommerabend. Es bleibt der Eindruck eines musikalischen Hochgenusses.

Doch was wäre ein Konzert ohne Ton, ohne Licht, ohne Bestuhlung ohne Nebel, ohne Projektionen? Ein Konzert ohne Technikteam! Ein herzlicher Dank an OStR Matthias Leuchsenring, StR Max Kolb, Veranika Knaus (Q13), Sarah Mehringer (Q13), Matteo Scheel (Q12), Paulina Blattner (Q12), Benjamin Pscherer (Q12), David Deeg (Q12), Julian Oelschlegel (11b), Bastian Soboll (11b), Michael Henning, (11c), Jannis Wolfrum (11c), Bünyamin Satar (10a), Thomas Kupzok (9b), Francis Wilde (9d), Pepe Hänel (9d), Paul Feist (8b) und Leonard Sebald (7b).

Ob nach dem hervorragenden Abitur 2026 ein Kunststudium folgt, ist nicht bekannt. Bekannt wurde Muna Khafaja (Q13) am Schiller-Gymnasiums unter anderem für ihre grafischen Genüsse bei den Titelblättern unserer Konzerte. Und auch 2026 zierte ihr Design das Programmheft und die Plakate des Konzerts.

Und auch Harry Tröger konnte in diesem Jahr wieder für die Tontechnik gewonnen werden. Professionalität auf allen Ebenen.

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