Was braucht man für eine gelungene Studienfahrt? Ein spannendes Reiseziel? Check. Ausreichend Freizeit? Check. Entspannte Lehrkräfte? Check. Und das Wichtigste: 73 Schülerinnen und Schüler voller Vorfreude.
Den Auftakt bildeten 13 Stunden Busfahrt, die wir dank reichlich Proviant, guter Laune und einiger kreativer Schlafpositionen überraschend gut meisterten. Trotz der langen Anreise war die Vorfreude auf die kommenden Tage jederzeit spürbar.
Und unser erstes Ziel Krakau enttäuschte nicht – ganz im Gegenteil. Die ehemalige Königsstadt entwickelte sich schnell zum Höhepunkt unserer Reise. Während einer Stadtführung begegneten wir den zahlreichen Mythen und Legenden der Stadt, erfuhren viel über ihre bewegte Vergangenheit und erhielten zugleich eindrucksvolle Einblicke in das einstige jüdische Leben in Krakau. Ein besonderer Programmpunkt war die Besichtigung der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler. Die moderne Ausstellung vermittelte die Geschichte Polens während des Zweiten Weltkriegs auf anschauliche Weise und zeigte, wie tief die deutsche Besatzung das Leben der Menschen geprägt hat. Geschichte wurde hier greifbar. Nicht nur durch Zahlen und Fakten, sondern vor allem durch die persönlichen Schicksale der Betroffenen. Neben den historischen Eindrücken blieb erfreulich viel Zeit, Krakau auf eigene Faust zu erkunden. Ob gemütliche Cafés, kleine Restaurants, die beeindruckende Altstadt oder spontane kulinarische Entdeckungen, jeder fand seinen persönlichen Lieblingsort. Es wurde viel gelacht, gespielt und erzählt und die gemeinsame Zeit am Abend sorgte für beste Stimmung. Gerade diese Momente machten aus einer Studienfahrt eine echte Gemeinschaftserfahrung. Zum Abschluss unseres Aufenthalts in Krakau ging es tief unter die Erde, nämlich in das berühmte Salzbergwerk Wieliczka. Zwischen riesigen Hallen, kunstvoll gestalteten Kapellen und endlosen Stollen fühlte sich der Rundgang stellenweise eher wie eine Expedition durch Moria als wie eine klassische Museumsführung an. Zum Glück blieb uns eine Begegnung mit einem Balrog erspart.
Nach diesen abwechslungsreichen Tagen folgte der eindrucksvollste Teil der Studienfahrt: Der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Bereits auf der Hinfahrt war die Stimmung ruhiger als sonst. Während der fast achtstündigen Führung wich das anfängliche mulmige Gefühl einer tiefen Betroffenheit. Durch die erhaltenen Orte, die persönlichen Gegenstände der Opfer und die eindringlichen Erläuterungen der Guides wurde die Dimension der nationalsozialistischen Verbrechen auf erschütternde Weise sichtbar. Es war ein Tag, der niemanden unberührt ließ. Umso wichtiger war der gemeinsame Abend. In vielen Gesprächen tauschten wir unsere Gedanken und Eindrücke aus, diskutierten über das Gesehene und halfen einander dabei, das Erlebte einzuordnen. Am nächsten Tag standen verschiedene Workshops auf dem Programm, die neue Perspektiven eröffneten und zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema anregten.
Anschließend folgte ein bewusstes Kontrastprogramm. In einer Therme nahe Zakopane konnten wir nach den intensiven Eindrücken entspannen und neue Energie sammeln. Den Abschluss der Studienfahrt bildete unser Aufenthalt in Zakopane selbst. Die Gondelfahrt auf den Kasprowy Wierch, von dem aus man bei gutem Wetter die gesamte Hohe Tatra überblicken kann, führte uns hingegen durch dichten Nebel. Dabei herrschten überraschend kühle Temperaturen von etwa 2 Grad Celsius und es gab starke Windböen. Eine freiwillige Wanderung am Nachmittag wurde schließlich von kräftigem Regen begleitet. Wetterbedingt war sie vielleicht nicht ganz so schön wie erhofft, dafür aber umso erinnerungswürdiger. Am Abend ließen wir die Studienfahrt gemeinsam ausklingen. Über die Einzelheiten der Abschlussfeier bewahren wir an dieser Stelle höflich Stillschweigen, doch so viel sei gesagt: Sie setzte der Reise einen würdigen und ausgesprochen fröhlichen Schlusspunkt.
Die Studienfahrt nach Polen war weit mehr als eine Reise von Ort zu Ort. Sie verband bewegende Geschichte mit kulturellen Eindrücken, beeindruckenden Sehenswürdigkeiten, kulinarischen Entdeckungen und unzähligen gemeinsamen Erlebnissen. Vor allem hat sie aber den Zusammenhalt unseres Jahrgangs gestärkt. Zwischen langen Busfahrten, mittelalterlichen Gassen, unterirdischen Salzstollen, nachdenklichen Gesprächen und vielen lustigen Momenten sind Erinnerungen entstanden, die hoffentlich weit über die Schulzeit hinaus bestehen bleiben werden.
Ein herzliches Dankeschön geht an das gesamte Team der Betreuer, insbesondere an Frau Pichlmeier und Herrn Stadelmann, die diese Fahrt durch ihren großen Einsatz ermöglicht haben!
Gefördert wurde die ambitionierte Reise von der Hermann-und-Bertl-Müller-Stiftung und der Viessmann-Stiftung aus Hof sowie der Sanddorf-Stiftung aus Regensburg.