Eva Döhla zu Gast in der Klasse 8b

Zwei Gespräche, zwei kommunalpolitische Perspektiven: Nachdem die Schülerinnen und Schüler des sozialwissenschaftlichen Zweigs bereits Oberbürgermeister Stefan Schmalfuß im Unterricht begrüßen durften, war es ihnen gelungen, innerhalb von nur zehn Tagen eine weitere hochkarätige Vertreterin der Hofer Kommunalpolitik für ein Expertengespräch im Fach Politik und Gesellschaft zu gewinnen. Am Donnerstag, den 23. Juli, begrüßte die Klasse 8b die Stadträtin Eva Döhla, die von 2020 bis 2026 Hofer Oberbürgermeisterin war. Mit der Gesprächsrunde fand die Unterrichtsreihe zu den Themen „Politik als Gestaltungsmittel“ und „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit vor Ort“ im Politikunterricht bei Herrn Hildenbrand ihren Abschluss.

In einem kurzen Vortrag zeichnete Frau Döhla zunächst ihren politischen Werdegang nach. Dass sie selbst einmal Oberbürgermeisterin werden würde, hätte sie nach eigener Aussage früher kaum erwartet. Obwohl sie in einer politischen Familie aufwuchs, schlug sie zunächst bewusst einen anderen Weg ein. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaft, Germanistik und Geschichte führte sie ihr beruflicher Weg zunächst in den Journalismus sowie später in die Bereiche Kommunikation und Marketing bei der Diakonie Hochfranken. Erst ein eher zufällig angebotener Listenplatz bei einer Stadtratswahl und der darauffolgende Wahlkampf weckten ihre Begeisterung für die Kommunalpolitik. Es folgten der Einzug in den Stadtrat, die Wahl zur Hofer Oberbürgermeisterin und nach der diesjährigen Stichwahl die Rückkehr in den Stadtrat. Frau Döhla betonte, dass ihr die Entwicklung ihrer Heimatstadt nach wie vor am Herzen liege – unabhängig vom politischen Amt.

Schnell entwickelte sich zwischen Frau Döhla und den Schülerinnen und Schülern des sozialwissenschaftlichen Zweigs ein lebendiger Austausch. Die Jugendlichen interessierten sich unter anderem für den Arbeitsalltag in der Kommunalpolitik. Frau Döhla berichtete, dass ein Stadtratsmandat – wenn man es mit dem nötigen Engagement ausübe – durchaus 10 bis 20 Stunden Arbeit pro Woche bedeuten könne. Als Oberbürgermeisterin habe ihr Berufsalltag dagegen häufig Arbeitswochen mit 70 bis 80 Stunden umfasst – verbunden mit großer Verantwortung und nur wenigen freien Tagen.

Besonders intensiv diskutierte die Klasse über aktuelle Herausforderungen der Hofer Kommunalpolitik. Angesprochen auf den Hitzeschutz erläuterte Frau Döhla am Beispiel des Parkplatzes am Hofer Untreusee die entsprechenden Zielkonflikte. Viele Besucherinnen und Besucher wünschten sich eine Asphaltierung – andererseits bestehe das Problem der zunehmenden Flächenversiegelung. Auch eine Diskussion aus ihrer Amtszeit als Oberbürgermeisterin blieb ihr besonders in Erinnerung. Damals diskutierte der Stadtrat kontrovers, ob für einen neuen Radweg Autoparkplätze oder Bäume weichen sollten. Häufig müssten in der Kommunalpolitik unterschiedliche Interessen gegeneinander abgewogen werden – und am Ende sei in Zeiten angespannter Haushalte vieles eine Frage der Finanzierung. Darüber hinaus kamen unter anderem der Leerstand in der Hofer Innenstadt, die Chancen von Städtepartnerschaften sowie digitales Lernen an Schulen zur Sprache. Beim Einsatz von iPads sprach sich Frau Döhla dafür aus, digitale Möglichkeiten dort zu nutzen, wo sie einen echten Mehrwert bieten. Der Wert handschriftlicher Notizen solle jedoch nicht aus dem Blick verloren werden.

Nachdenklich wurde die Gesprächsrunde beim Thema Hate Speech gegenüber Politikerinnen und Politikern. Anhand eigener Erfahrungen schilderte Frau Döhla, wie sich der öffentliche Umgangston mit der Verlagerung von Kritik an Stammtischen und in Leserbriefen in die Anonymität sozialer Medien verändert habe. Sie habe zwar ihren eigenen Umgang damit gefunden, betrachte es jedoch als „demokratiegefährdend“, wenn sich Menschen aus Angst vor persönlichen Anfeindungen gar nicht erst kommunalpolitisch engagieren wollten. Außerdem berichtete Frau Döhla von den Herausforderungen, vor die Reichsbürger und extremistische Milieus Kommunen mitunter stellen.

Nach rund einer Stunde endete die Gesprächsrunde und die Jugendlichen bedankten sich bei Frau Döhla mit einem kleinen „Schiller-Präsent“ für die spannenden Einblicke. Mit ihrem Besuch fand die Unterrichtsreihe zur Kommunalpolitik einen gelungenen Abschluss.

 

Das Schiller-Gymnasium bedankt sich herzlich bei Frau Döhla und Herrn Schmalfuß, die sich trotz voller Terminkalender Zeit für den Austausch mit den Schülerinnen und Schülern nahmen und den Politikunterricht durch ihre persönlichen Erfahrungen auf besondere Weise bereicherten.

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