Ein Sommerkonzert der Superlative

Das Wetter wollte schon im Vorfeld des Sommerkonzerts einstimmen, auf das, was da kommen würde. Doch es ist nicht „Unter Donner und Blitz“, von Johann Strauß (Sohn), welches für den heutigen Abend als epochales Meisterwerk deutsche Schulmusikveranstaltungen zu erwarten war – denn mal ehrlich, so einen Strauß hat man ja auch schnell zusammen – nein, es ist Orff. Und die über 2000 Gäste, die, weder von Wetter noch Parksituation abgeschreckt, dem Sommerkonzert unserer Schule in diesem Jahr beiwohnten, werden bestätigten: Es war die pure Kraft der Musik, eine Machtdemonstration der Klangstärke, ein Superlativ schulischer Tonleistungen, ein Orff’sches Instrumentalmonument, kurz: ein Sommerkonzert des Schiller-Gymnasiums Hof.

Beginnen wir dort, wo viele Konzerte beginnen, nämlich am Anfang: „We will rock you!“ Ein Schlagzeug und eine Pauke geben den Rhythmus vor. Das Publikum klatscht mit. Die Musikerinnen und Musiker marschieren ein. „We will rock you“ – und dann direkter Übergang zu „When the Saints go marching in!“ Gespielt von der Klasse 5b, unserer „Bläserklasse“, in Kooperation mit der Musikschule der Hofer Symphoniker. Traditionell spielen sie den ersten Ton. Sie eröffnen schwungvoll, wie es sich für das Spiritual gehört.

Dr. Anke Emminger, Schulleiterin des Schiller-Gymnasiums, bringt es dann gleich auf den Punkt: „Das war doch Wahnsinn, oder? Bereits der Einmarsch!“ Und sie hat Recht. Und wahnsinnig gut geht es weiter.

Tonsicher, lässig, schwungvoll und freudig am Instrument, präsentierten die jüngsten Musikerinnen und Musiker unserer Schule, was sie in diesem einen Jahr bereits gelernt haben. Dazu gehört auch der Bill Haley and the Comets-Klassiker „Rock around the clock“, ihr zweites Stück. „Around the clock“ erwartet uns nicht, aber flotte eineinhalb Stunden musikalischen Höchstgenuss.

Der Chor der 5. und 6. Jahrgangsstufen brilliert im Anschluss mit zwei Welthits. Mit „Can you feel the love tonight“ von Elton John und Tim Rice, überzeugen Sie ebenso wie mit dem deutschen Welthit von Peter Schilling, dem „Major Tom“. Schon das Intro zeigt: Hier wird nicht irgendwas gesungen. Hier wurde arrangiert, interpretiert und präsentiert! Völlig losgelöst feiert das Publikum die jungen Sängerinnen und Sänger, die sich beim zweiten Stück Unterstützung vom Ein-Komma-Null-Abiturienten 2025, Julian Gottwald, am Drumset, geholt haben.

Die Moderatorinnen des heutigen Abends, Muna Khafaja (Q12 G9) und Russia Barjas (10c), betreten die Bühne. Mit Kurzweiligkeit überbrücken Sie die Umbaupausen und versorgen das Publikum mit zahlreichen interessanten Informationen. Bildungsmoderation quasi. Ist ja auch ein Schulkonzert! Wortgewandt mit tollem Timing!

Zwei Querflötistinnen, ein Novum bei unseren Konzerten, geben im Anschluss ihr Debüt: Miriam Honke und Jette Junhold (beide Q12 G9) brillieren mit sanften, klaren Tönen beim „Andante“, aus dem „Andante et Rondo, op. 25“, von Francois Doppler. Mal laut, mal leise, mit viel Dynamik und dann wieder filigran, sich perfekt ergänzend. Der Physiker nennt es wohl den „Doppler-Effekt“. Das Publikum ist begeistert und feiert die beiden.

Glorreich geht es weiter, nämlich mit der Bläserklasse 6, in Kooperation mit der Musikschule der Hofer Symphoniker. Mit „The magnificent seven“, aus der Feder von Elmer Bernstein (nicht verwandt oder verschwägert mit Leonard Bernstein), bringen sie den Schwung des Wilden Westens auf die Bühne. Allerdings nicht verstaubt, wie die Prärie westlich des 100. Längengrades, sondern schwungvoll, wie eine Postkutschenfahrt mit Banditen hintendran. Von der Prärie des Wilden Westens, geht es im Anschluss in die Pampas Südamerikas: Mit „Sun Calypso“ von Luigi di Ghisallo, präsentiert die Bläserklasse 6 einen südamerikanischen Tanz für Blasorchester. Hier zeigt sich das Können, das sich die jungen Musikerinnen und Musiker in den letzten beiden Jahren im Rahmen des Bläserprojekts erarbeitet haben. Das Publikum würdigt die harte Arbeit mit dem verdienten Applaus.

Wir springen ins Jahr 1996. Deutschland wird Fußball Europameister in England und ebendort wird in diesem Jahr „Wannabe“ geboren, einer der Welthit der Spice Girls. Genau richtig für unseren Chor der 7. und 8. Jahrgangsstufe, der, rhythmisch brillant, den Halliwell-Bunton-Beckham-B-C-Klassiker auf die Bühne poppen.

Kurzer Umbau. Die Bühne ist voll. Das Jugendblasorchester Hof in Zusammenarbeit mit den Hofer Symphonikern nimmt auf der Bühne Platz. Und sie sorgen für eine musikalisch erfrischende Brise in der randvollen Freiheitshalle. Mit „Mountain Wind“ präsentieren sie Martin Scharnagels Konzertwerk, welches zahlreiche musikalische Landschaftsbilder in den Köpfen generiert. Und lieber Landschaftsbilder als „Altes Fieber“, außer es wird musikalisch vom JBO generiert. Der Gassenhauer von den Toten Hosen reißt auch das Publikum im Saal mit.

Wir bleiben bei Welthits, wechseln nur das Ensemble: „Röschpekt!“ betritt die Bühne und groovt sich ein mit „Uptown Funk“ von Mark Ronson und Bruno Mars, bevor es zu einer sanften Version von Jon Bon Jovis „Livin‘ on a Prayer“ übergeht. Welch‘ eine Darbietung der musikalisch-gesanglichen Institution unserer Schule, die es Jahr für Jahr schafft, neue und erfahrene Stimmen auf höchstem Niveau zu vereinen.

Vor einigen Jahren trat das Kammermusikensemble bei unseren Konzerten ins Rampenlicht, und mit ihrer Darbietung von „Consuelita“, einem Tango Argentino, zeigen Sie, dass sie dort hingehören. Die Innigkeit, die Interaktion, das Feuer, das Ensemble schafft es gekonnt, all diese Charakteristika des argentinischen Tangos musikalisch zu vereinen. Das Publikum feiert es mit südamerikanisch-temperamentvollem Applaus.

Bei der neunten Gruppierung des Abends angelangt, zeigt sich, dass es heute einen Bruch geben wird. Zwar liest man Superstars wie die Spicegirls, Bruno Mars oder Bon Jovi auf dem Programm, doch fehlt eine Darbietung der beiden goldenen „M“, Michael Jackson oder Michael Bublé. Gerüchte machen die Runde, dass es zwischen Sony Music, dem Michael Jackson Estate und Adrian Stieglitz bei der letzten Golfrunde in Florida zum Zerwürfnis gekommen sein soll, er beim Verlassen des Golfplatzes in Mar-a-Lago mit Chris Martin zusammengestoßen ist und sich daraus eine neue musikalische Kooperation ergeben haben soll.

In diesem Jahr konnten Coldplay leider noch nicht anwesend sein, da sie zeitgleich ihr Konzert in Foxborough, Massachusetts, spielen (mit Sicherheit das zweitbeste Konzert des heutigen Tages weltweit), und somit übernimmt der Chor der 9. bis 12. Jahrgangsstufe den Part von Berryman, Buckland, Champion und Martin. Mit „Fix You“ bringen sie ihre ganz eigene Version des gefühlvollen Welthits auf die Bühne. Smartphone-Taschenlampen und ganz viel Gänsehaut inklusive.

Das Schulorchester nimmt Platz. Es ist das Warm-up. Der Aufbau des Spannungsbogens. Und mit welchem Lied geht das besser, als mit der Titelmusik von „Jaws“, dem „Weißen Hai“? Dam dam. Dam dam. Dam, dam, dam, dam, dam dam. Zwei Töne, E und F, die in die Musikgeschichte eingegangen sind. Ebenso wie die Titelmusik von „Superman“. Eben in Neuauflage im Kino erschienen, präsentiert das Schulorchester die beiden Welthits aus der Feder von John Williams in einer beeindruckenden Darbietung. Bei dieser musikalischen Reife vergisst man, dass man ein SCHULorchester vor sich sitzen hat. Und das war nur das Warm-up. Doch bereits möchte man dem Dirigenten zurufen: „Super, Mann!“

Blättert man auf unserer Schulhomepage in den Jahren zurück, so stellt man fest, dass die Suche nach Superlativen häufig schwergefallen ist. Auch kam öfter die Frage nach dem „Wie soll das im nächsten Jahr weitergehen?“ auf. Doch was jetzt auf der Bühne der Freiheitshalle passiert, als sich die Chöre der Jahrgangsstufen 7 bis 12 zum Schulorchester gesellen und Adrian Stieglitz den Taktstock hebt, staunt man nur noch. „Ich habe lang überlegt!“, hat er vor einigen Wochen zu mir gesagt, „Aber ich hab‘ richtig Bock!“ Und er hat die richtigen Musikerinnen und Musiker: Die Chöre der 7. bis 12. Jahrgangsstufe und das Schulorchester des Schiller-Gymnasiums Hof präsentieren aus Carmina Burana: 1. O Fortuna 2. Fortune Plango Vulnera 3. Veris Leta Facies 22. Tempus est locundum 25. O Fortuna.

Sollten Sie nicht im Saal gewesen sein, versuchen Sie einen Handymitschnitt zu ergattern. Was hier an musikalischer Größe präsentiert wird, lässt sich nicht mehr mit Superlativen beschreiben. Stehende Ovationen, sichtlich bewegte Dirigenten, ja, es mussten zwei Dirigenten ran, und immer noch die Freiheitshalle in Hof. Nicht die Carnegie Hall in New York, nicht die Royal Albert Hall in London – und da hätte das auch präsentiert werden können. Reiche, kulturbegeisterte Upper-East-Side-Menschen hätten sich ihren Smoking und ihre Abendkleider angezogen, 500 Dollar für eine Karte bezahlt, nur um diese Performance erleben zu dürfen. Danke, Adrian Stieglitz und Martin Röder, danke, liebe Schülerinnen und Schüler, danke an alle Beteiligten, dass wir dieses Erlebnis nun in den Tiefen unseres deklarativen Gedächtnisses verankern können.

Nachdem die Freiheitshalle statisch keine weiteren Schäden davongetragen hat, wird das Konzert fortgesetzt. Beim Thema „Wasserstoff“ kann man im Chemieunterricht mit dem Hindenburg-Absturz in Lakehurst, 1937, einsteigen. Es gibt Originalaufnahmen der Katastrophe und diese sind mit dramatisch-kraftvoller Musik unterlegt. Und ebendieses Stück, „Hindenburg (In Memoriam Lakehurst, 1937)“, präsentiert nun das Symphonische Blasorchester Hof, in Zusammenarbeit mit den Hofer Symphonikern. Mit musikalischer Malerei, kreiert das Orchester, unter der Leitung von Benjamin Sebald, die Bilder eines Augenblicks, der in die Geschichte der Luftfahrt eingegangen ist. Und mit Geschichte geht es weiter: Beethovens 5. Symphonie ist wahrscheinlich (fast) jedem ein Begriff. Doch was, wenn man dieses Stück ins 21. Jahrhundert transferiert und einem so talentierten Orchester, wie dem Symphonischen Blasorchester Hof vorlegt? „The 5th by „Bee“ (Themes by L. v. Beethoven)“ ist ebendieses: eine moderne Darbietung klassischer Musik, von jungen Menschen ins 21. Jahrhundert transferiert. Eine meisterliche Darbietung. Und mit nur zwei Stücken beweist das Orchester seine Wandlungsfähigkeit sowie seine musikalische Leistungsfähigkeit.

Vor dem letzten Stück kommt es noch zum traditionellen Dank des Elternbeirats, schwungvoll, charmant und kurzweilig präsentiert von Reiner Krauß.

Und diese „Leistungsfähigkeit“ ist auch in diesem Jahr der pompöse Abschluss des Konzerts: Über 400 Schülerinnen und Schüler präsentieren sich beim Abschlussstück, der „Highland Cathedral“ auf der Bühne. Es singen der „Schiller-Chor“ der 5. bis 12. Jahrgangsstufe mit dem Sister-Act-Solo-Trio Hannah, Mia und Saphira Lutsch-Kelemen, und es spielt das Symphonische Blasorchester Hof.

Was für ein Konzert. Genießen wir den Moment, ohne aber den Dank an die Personen auf und hinter der Bühne nicht zu vergessen:

Für die Einstudierung: Slawek Dudar, Ji Eun Kim, Elisabeth Nussrainer, Rainer Streit und Cordula Schiller-Golden.

Für das Technikteam: Matthias Leuchsenring, Markus Holzner, Niklas Bachmann (Q12), Veranika Knaus (12G9), Sarah Mehringer (12G9), Matteo Scheel (11c), Paulina Blattner (11c), Benjamin Pscherer (11c), David Deeg (11c), Kerim Mi-chael (11c), Julian Oelschlegel (10a), Bastian Soboll (10a), Michael Henning (10d), Jannis Wolfrum (10d), Thomas Kupzok (8b), Francis Wilde (8d), Leonard Sebald (6b)

Für die Titelgrafik: Kayra Yigit (Q12)

Für Technik und Sound: Harry Tröger

Für die Moderation: Muna Khafaja (Q12 G9) und Russia Barjas (10c)

Und für die Gesamtleitung, die Stunden der Arbeit, den Mut der Stückwahl, die Nerven, gespannt wie die Streicherbögen des Schulorchesters: Adrian Stieglitz, Benjamin Sebald und Martin Röder

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